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Dschihadistische Radikalisierung

Hinwendungsprozesse zu dschihadistischer Radikalisierung können über die religiöse Neuorientierung hinaus durch unterschiedliche Faktoren befördert werden, welche sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene wirken. Diese Faktoren stehen meist in einer Wechselbeziehung und führen kumuliert zu verdichteten Gefährdungslagen.

#Radikalisierung

6 min

von sichergsund.ch, 31.03.2023

kurz & bündig

  • 1

    Opferideologien lassen Wut und Hass entstehen.

  • 2

    Die westliche Welt wird zum Feindbild, da ihr fehlende Werte, Dekadenz, Diskriminierung vorgeworfen werden.

  • 3

    Krisen und Kriege können den Wunsch eines Kampfes gegen Ungerechtigkeit entstehen lassen.

Entstehungszusammenhänge bei dschihadistischer Radikalisierung

Diese Faktoren stehen meist in einer Wechselbeziehung und führen kumuliert zu verdichteten Gefährdungslagen:

Die westliche Welt wird zum Feindbild, da ihr fehlende Werte und Dekadenz sowie die Diskriminierung von Muslimen vorgeworfen werden. Solche Narrative werden übers Internet verbreitet und zeigen integrierte Muslime sowie auch gemässigte Imame als Fehlgeleitete und Heuchler, welche durch das westliche System und seine materiellen Werte korrumpiert wurden. Indem Verschwörungstheorien gezielt von islamistischen Agitatoren verbreitet werden, wonach obskure Mächte unter der Führung der USA und Israels das Weltgeschehen kontrollieren und die weltweite Vernichtung der Muslime anstreben, wird versucht, Muslime gegen den Westen zu mobilisieren. Diese These wird dann unter Berufung auf verschiedene geopolitische Krisenherde im arabischen und asiatischen Raum, insbesondere dem Nahen Osten, untermauert.

Die gesellschaftliche Polarisierung zwischen islamfeindlichen, ungläubigen und islamtreuen Kräften wird zur Abgrenzung von Gläubigen und Ungläubigen instrumentalisiert. Diskriminierungserfahrungen in Ausbildung und Arbeitssuche können ebenso wie Segregationsprozesse in Stadtteilen zur Abschottung und Ausgrenzung von Muslimen beitragen. Der islamfeindliche Diskurs einzelner Parteien, der Medien oder anderer gesellschaftlicher Kreise führt zu einer Verschärfung der Polarisierung, welche wiederum von den radikal islamistischen Kräften genutzt wird, um ihren Anhängern zu zeigen, dass sie im Westen unerwünscht sind.

  • Ausgrenzungserfahrungen und Opferideologien lassen starke Emotionen wie Wut und Hass gegenüber der westlichen Mehrheitsbevölkerung entstehen. Insbesondere bei geringer Integration und wenig direktem (positiv besetztem) Kontakt mit Mehrheitsangehörigen sind solche Vorwürfe und Opferideologien anschlussfähig. Im Strafvollzug können solche Einstellungen und Opfergefühle durch den hohen Anteil muslimischer Gefängnisinsassen zusätzlich verstärkt werden.
  • Religiöses Halbwissen oder geringe religiöse Kenntnisse erhöhen die Anfälligkeit für Salafismus (wortgetreue und fundamentalistische Auslegung und Befolgung des Korans) und gewaltaffinen Dschihadismus, da solche religiöse und gewaltaffine Argumentationen nicht oder zu wenig kritisch analysiert und hinterfragt werden können.
  • Wenn die Identität von Individuen durch Sinnkrisen, Drogen, Alkohol oder Delinquenz brüchig und labil wird, erhöht dies das Risiko der Suche nach Orientierung und Halt in Ideologien, welche Eindeutigkeit und Selbstbestätigung zu vermitteln versuchen.
  • Geopolitische Krisen und Kriege verbunden mit dem Leiden der Bevölkerung können den Wunsch eines Kampfs gegen Ungerechtigkeit und Gewalt entstehen lassen sowie die humanitäre Motivation Notleidenden zu helfen, um eine bessere Welt für Muslime zu schaffen und die Utopie eines Kalifats, das heisst eines Staats nach den Regeln des Korans, zu verwirklichen.

Es sammelt sich eine Vielzahl von Einflussfaktoren und Entstehungszusammenhängen an, welche nur zum Teil auf der Ebene des Individuums und seiner Persönlichkeit, sondern vielmehr auch auf der gesellschaftlichen und geopolitischen Ebene angesiedelt sind.

Radikalisierungsprozess

Der Prozess beginnt mit der Identifizierung mit dem Kollektiv – in diesem Fall «den Muslimen» – und reicht bis zur Verfestigung von Angst und Hass. Dabei steht der sozialpsychologische Prozess der Angleichung im Mittelpunkt, wonach ein Individuum seine eigene Identität und seine Zugehörigkeit zu einem festgeschriebenen Kollektiv neu verortet und seine Einstellungen an kollektive Überzeugungen angleicht. Durch eine polarisierende Deutung von geopolitischen Konflikten wird dieses Kollektiv als Opfer wahrgenommen. Das weckt den Wunsch nach Gegenwehr und Abschottung. Es kommt zu einer Emotionalisierung durch Angst und Hass, welche durch Propaganda geschickt geschürt werden. Das Hineinwachsen in eine Gemeinschaft (real oder in den Social Media), welche diese Ansichten teilt, spielt dabei eine grosse Rolle. Dieser Rückkoppelungseffekt führt zur gegenseitigen Bestärkung. Dissonanzen mit anderslautenden Haltungen werden zunehmend unwahrscheinlicher. Hinzu kommt, dass Internetsuchfunktionen solche Echokammern zusätzlich fördern, indem nur noch ähnlich gelagerte Inhalte als Links eingeblendet werden.

unsplash.com

Die eigenen Einstellungen werden an kollektive Überzeugungen angeglichen. Das eigene Kollektiv wird als Opfer wahrgenommen. Es entwickelt sich der Wunsch nach Gegenwehr und Abschottung.

Die Schritte im Radikalisierungsprozess müssen nicht zwingend in dieser Abfolge durchlaufen werden. Es ist durchaus möglich, dass man sich wieder von solchen Schwarz-Weiss-Bildern und Opferideologien lösen kann. Je weiter fortgeschritten der Prozess ist, umso schwieriger wird ein Ausstieg für Betroffene und dementsprechend anspruchsvoller werden Deradikalisierungsbemühungen. Die Arbeit an der Auflösung von Typisierung und Ausgrenzung sowie eine Haltung der Gewaltvermeidung und Angebote zur Versöhnung sind dabei wesentliche Elemente.

Ein gemeinsames Angebot des Gesundheitsdepartements, des Bildungsdepartements, des Departements des Innern sowie des Sicherheits- und Justizdepartements.

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