Wie wird das Internet für Jugendliche sicher?
Eine Konfrontation ist mit digitalen Medien in allen Bereichen möglich, trotzdem ist die Gefahr gering, unbeabsichtigt auf extreme Ausprägungen solcher Inhalte zu stossen. Auf pubertierende Jugendliche üben gerade diese Angebote eine gewisse Anziehungskraft aus, lassen sie dazu verleiten, aktiv danach zu suchen und einschlägige Internetadressen an Gleichaltrige weiterzugeben. Viele Beispiele von jugendlichen Konsumenten von Kinderpornografie zeigen, dass sie dabei Gefahr laufen, sich illegal zu verhalten.
Trotz des potenziellen Risikos wäre es falsch Kindern und Jugendlichen den Zugang zu digitalen Medien generell vorzuenthalten, in der Absicht, sie vor möglichen Gefahren zu bewahren. Sollen Kinder und Jugendliche mündige Mitglieder der Informationsgesellschaft werden, müssen sie den sicheren Umgang mit digitalen Medien lernen. Wir wollen ihnen ein verantwortungsvolles Handeln vermitteln, das risikobewusst und zugleich angstfrei ist.
Kinder und Jugendliche dürfen im Netz weder zu Opfern noch zu Tätern werden, sei es durch unbedachtes, fahrlässiges, absichtlich riskantes oder vorsätzlich falsches bzw. sogar böswilliges Handeln. Der Schutz der eigenen Person sowie anderer Personen, der Schutz eigener und fremder Daten und schliesslich der Schutz der technischen Infrastruktur stehen im Zentrum aller Bemühungen. Es gilt zu vermeiden, dass die Gefahren im Zusammenhang mit Medien zu Schäden im realen Leben führen.
Risiken
Kinder, Jugendliche und ihre Betreuungspersonen müssen die verschiedenen Risiken kennen, um sich davor schützen und sicher damit umgehen zu können.
- Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten
- Negative Beeinflussung
Unwahrheiten, Desinformation, Werbung - Belästigung
vermeintliche Anonymität, Beleidigungen, Beschimpfung, Bedrohung, gefährliche Kontakte, falsche Identitäten - Missbrauch von Daten
Personendaten, E-Mail-Adressen und Kontakte, Spams, Phishing, Passwörter - Abhängigkeit
Realitätsflucht, Sucht - Finanzieller Schaden
virtueller Marktplatz, Betrug - Technische Schädigungen
Viren, Trojaner usw. - Illegales und unbedachtes Verhalten
Verbotene Inhalte, Hacken, Raubkopien von Musik, Spielen usw.
Unterricht und Prävention
Präventive Massnahmen haben Priorität. Sie umfassen Anwenderschulung, organisatorische, administrative und technische Massnahmen. Falls es trotzdem zu einem Risikofall kommt, ist entsprechend zu intervenieren.
1. Prävention durch richtiges Verhalten
Konsequente Anwenderschulung ist die wirksamste Präventionsmassnahme. Kinder und Jugendliche müssen die Gefahren kennen lernen und für potenzielle Risiken sensibilisiert werden. Zudem muss ihnen bewusst sein, dass ihre Handlungen mit digitalen Medien im Internet nicht anonym bleiben, sondern Spuren hinterlassen, die zu ihnen zurückführen.
2. Prävention durch organisatorisch-administrative Massnahmen
Internetvereinbarungen, Web-Journale, Aufsicht und Kontrolle, Vorgabe sicherer Internetseiten für jüngere Kinder, gute Aufgabenstellungen
3. Prävention durch technische Massnahmen
Firewalls, aktuelle Schutzsoftware, Filterprogramme, Browsereinstellungen, Verlauf speichern und kontrollieren
Interventionen
Wenn Kinder und Jugendliche trotz präventiver Massnahmen in riskante Situationen geraten, sind entsprechende Interventionsmassnahmen zu ergreifen.
- Sicherheit wieder herstellen
Die Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten erfordert ein unmittelbares Eingreifen der Fachpersonen bzw. der Eltern. Sie müssen sicherstellen, dass der riskante Bereich umgehend und sicher verlassen wird, und den Kindern dabei helfen, ihre Irritation im Gespräch zu verarbeiten. Wichtig ist, dass pornografische, gewalt- verherrlichende und rassistische Inhalte ausdrücklich missbilligt werden – allerdings ohne zu dramatisieren. In schweren Fällen sollen die Eltern informiert werden. - Sanktionen
Bei mutwillig herbeigeführter Konfrontation mit Risikosituationen und Verletzung der Richtlinien für die Arbeit mit Online-Medien werden – abhängig von der Schwere des Regelverstosses – konsequent Sanktionen und Disziplinarmassnahmen entsprechend den Richtlinien ergriffen. - Vertrauen
Geraten Kinder und Jugendliche unvermittelt und unbeabsichtigt in heikle Situationen, ist es wichtig, dass sie sich vertrauensvoll an die Lehrperson bzw. die Eltern wenden können, ohne Angst vor Tadel und Strafe. - Polizei
Bei Verdacht auf kriminelle Handlungen soll nicht gezögert werden, die Polizei zu informieren. Zuständig ist die Kantonspolizei. Auf Bundesebene kann schwere Internetkriminalität bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) des Bundesamtes für Polizei gemeldet werden. - Offen und sachlich informieren
Akute Risikosituationen dürfen weder vertuscht und bagatellisiert noch dramatisiert und aufgebauscht werden. Sachliche und offene Information innerhalb der Schule und gegenüber den Eltern ist hingegen Pflicht. Es ist darüber zu informieren, was vorgefallen ist und welche Massnahmen ergriffen wurden. - Prävention verbessern
In jedem Fall ist zu überprüfen, ob die präventiven Massnahmen versagt haben. Gegebenenfalls müssen sie verstärkt werden.