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Wege in die Gewalt

Die Erkenntnis, dass allen untersuchten Schulattentaten eine längere Vorbereitung vorausging, ist zentral. Geplante Attentate wurden häufig auf eine bestimmte Personengruppe oder gar gezielt auf bestimmte Personen ausgerichtet. Die Vorbereitung der Schulattentate nahm in der Regel mehrere Wochen bis Monate in Anspruch. Jens Hoffmann (2007) spricht von einem Weg zur Gewalt. Diesen Weg zur Gewalt unterteilt er in fünf Abschnitte.

#Gewalt

8 min

von sichergsund.ch, 10.08.2023

kurz & bündig

  • 1

    Ausgrenzung oder Mobbing stehen häufig am Anfang.

  • 2

    Gewalt wird eine Option für den Ausweg.

  • 3

    Für die Planung wird viel Zeit investiert und Anzeichen nach aussen sind sichtbar.

Fünf Schritte zur Gewalt

1. Missstand (Misserfolge und Ausgrenzung)

Ausgangspunkt sind fast immer einzelne oder auch mehrere und häufig andauernde Misserfolgserlebnisse. Ein Schüler vermag sozial nicht mitzuhalten, wird häufig ausgegrenzt und gedemütigt. Vielleicht ist jemand auch wegen seines Aussehens oder aufgrund von schlechten Leistungen Opfer von Herabwürdigung und/oder Ausgrenzung. Dann gibt es Situationen, in den Jugendliche aus dem Rahmen ihrer Familie fallen. Es gibt viele Geschichten von sogenannten schwarzen Schafen, die irgendwie originell und lustig tönen. Tatsächlich aber können sich Kinder und Jugendliche und auch Erwachsene in dieser Rolle sehr verlassen, einsam und ausgestossen fühlen. Im familiären Kontext beispielsweise ist das schwarze Schaf oft der Verlierer innerhalb der Familie. Dazu kommt dann häufig die Konstellation, dass das eigene Umfeld bzw. die Klasse, die Schule und / oder die Familie für die unbefriedigende Situation verantwortlich gemacht wird – «die andern sind schuld, dass es mir derart schlecht geht». Wenn also andere für die eigene missliche Situation verantwortlich gemacht werden, dann kann irgendwann der Gedanke auftauchen, sich an ihnen rächen zu wollen.

2. Beschäftigung mit Gewalt als Option

Vom Gedanken der Rache bis zu gewalttätigen Handlungen ist der Weg nicht mehr weit. Bei vielen Schulattentätern spielt Rache eine wesentliche Rolle – «wenn es mir nicht gut geht, soll es jenen, die für meinen Missstand verantwortlich sind, auch nicht gut gehen». Andern schaden kann man sehr gut mit Gewalt. Vielleicht möchte man sogar einfach sein ganzes Umfeld vernichten. Der Attentäter von Springfield tötete vorab seine Eltern und seine Schwester, bevor er am nächsten Tag in seiner Schule ein Schulattentat beging.

Da sich Attentäter immer in einer sehr schlechten Situation fühlen, spielen nicht nur Rachegedanken und damit Gewalt gegen andere eine wesentliche Rolle; häufig besteht auch eine Art Aggression gegen sich selbst – «Weshalb vermag ich mich nicht genügend zu wehren? Warum bin gerade ich derart benachteiligt?». Damit zusammen fallen dann Suizidgedanken. Zu diesem Zeitpunkt kommt es vielleicht bereits zu Äusserungen, ein Attentat begehen zu wollen. Bekannt ist auch, dass sich Jugendliche mit Attentätern identifizieren und sich beispielsweise in der gleichen Art zu kleiden beginnen (z.B. langer, schwarzer Mantel wie Attentäter von Columbine).

3. Planung

Wenn sich ein Jugendlicher mit dem Thema Gewalt beschäftigt, kann es sein, dass er Informationen darüber sucht, wie es andere gemacht haben. Irgendwann kommen Überlegungen dazu wie «Wem möchte ich Schaden zufügen? Wer alles behandelt mich schlecht?». Zuweilen sind in diesem Zusammenhang sogenannte Todeslisten gefunden worden oder Jugendliche äussern sich sogar dazu, wen sie umbringen möchten. Eventuell kommt es zu ungewöhnlichen Kontaktaufnahmen und Handlungen, wie z.B. sich einem Schiessverein anzuschliessen. Auch Überlegungen zum Zeitpunkt einer möglichen Tat können angestellt werden. Auffällig oft werden Daten gewählt, an denen bereits früher ein Attentat begangen wurde.

4. Vorbereitung

Hier geht es um eigentliche Vorbereitungshandlungen: Ausrüstungsgegenstände zusammenstellen, Masken, Waffen, Munition beschaffen. Vielleicht wird auch damit geübt. Eventuell werden Transportfragen und weitere konkrete Punkte bezüglich Vorgehen geklärt. Auf der andern Seite sind vielleicht Abschiedshandlungen zu beobachten (z.B. liebgewonnene Dinge verschenken). Schulattentäter nehmen häufig den eigenen Tod anlässlich des Attentats in Kauf oder bringen sich im Verlauf des Attentats gar selbst um, wie z.B. die beiden Attentäter von Columbine. Häufig werden in dieser Phase insbesondere gegenüber Freunden und Kollegen eigentliche Ankündigungen gemacht und Warnungen ausgesprochen oder allenfalls im Internet verbreitet.

5. Vorstoss

Darunter wird das eigentliche Attentat verstanden. Der Attentäter nähert sich seinem Ziel, ist entsprechend bewaffnet und vollführt den eigentlichen Angriff.

Das Gewaltkontinuum – von leichten zu schweren Formen

Eine weitere, etwas andere Art der Orientierung ermöglicht der Blick auf den Lebenslauf und die Lebensumstände einer Person. Kriminalitätsstudien weisen immer wieder darauf hin, dass sich bei vielen Personen, die im Erwachsenenalter wegen Gewalt verurteilt wurden, die Neigung zur Anwendung von Gewalt früh, teilweise bereits im Kindergarten, beobachten liess (vgl. z.B. Killias, 2004).

Gewaltentwicklung

In der Regel beginnt es mit leichten Formen von Gewalt. Im Kindergarten oder frühen Schulalter sind es häufig Beschimpfungen, Beleidigungen oder Schlechtmachen anderer, die beobachtet werden können. Später kommt es zu verbalen Erniedrigungen, vielleicht zu sexuellen Belästigungen, dann auch zu Bedrohungen, Vandalismus usw. Immer schwerwiegendere Gewaltformen bis hin zu Raub und Mord können sich aneinanderreihen.

Negatives Verhalten stoppen

Wenn eine solche Entwicklung im Verhalten eines Kindes oder Jugendlichen beobachtet wird, besteht jederzeit die Möglichkeit, negatives Verhalten zu stoppen oder zumindest einzudämmen. Dazu bedarf es häufig der entschiedenen Reaktion und auch Sanktion der Erwachsenen, besonders der Eltern, der Erziehenden, der Lehrerinnen und Lehrer. Zuwarten und auf Besserung von selbst zu hoffen, ist nicht zielführend und wirkt eher naiv. Das erfahren nicht selten jene Eltern selbst, welche das Verhalten ihres Jugendlichen oft bagatellisieren, immer wieder entschuldigen, bis sie schliesslich selbst nicht mehr ein noch aus wissen, weil ihr Sohn zum Beispiel die ganze Wohnung kurz und klein schlägt oder gegen die eigenen Eltern gewalttätig wird.

Ungünstige Entwicklung erkennen und eingreifen

Wo sich eine solche Entwicklung erkennen lässt, gilt es möglichst früh, geeignete Massnahmen zu planen und umzusetzen, um damit negative Entwicklungen zu stoppen. Speziell zu beachten sind die Lebensumstände und das Verhalten gegenüber Mitmenschen, anderen Lebewesen und der eigenen Person sowie gegenüber Gegenständen. Auch bei Jugendlichen, welche Schulattentate begangen haben, lässt sich zuweilen eine Entwicklung von leichten zu schweren Gewaltformen beobachten. Schulattentate bahnen sich über eine längere Zeit an. Aufmerksamen Beobachterinnen und Beobachtern dürfte nicht entgehen, dass da etwas nicht stimmt. Ungünstige Lebensumstände und Entwicklungen zu erkennen und im richtigen Moment unterstützend einzugreifen, ist ein wesentlicher Teil der Prävention.

Ein gemeinsames Angebot des Gesundheitsdepartements, des Bildungsdepartements, des Departements des Innern sowie des Sicherheits- und Justizdepartements.

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