Schulabsentismus – Kein Bock auf Schule!

«Schulabsentismus» beschreibt neben möglichen Ursachen für dieses recht verbreitete Phänomen vor allem Möglichkeiten, um Schulschwänzen zu verhindern und adäquat zu reagieren, wenn das Fernbleiben zum Alltag wird.

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Schulabsentismus – ein Phänomen, seine Bedingungen und Folgen

Schulabsentismus ist eine soziale Tatsache. Dies zeigt die Studie der Universität Fribourg, die am Departement für Erziehungswissenschaften im Zeitraum 2005 – 2007 durchgeführt worden war.  Mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen gaben an, in ihrer Schulzeit schon einmal geschwänzt zu haben. 5% waren als massive Schulschwänzer zu bezeichnen. Sie hatten im aktuellen Schuljahr bereits mehr als fünf Mal den Unterricht geschwänzt. Mädchen und Jungen waren etwa gleich stark betroffen. Es gab auch keine Unterschiede bezüglich geografischer Herkunft oder sozioökonomischem Hintergrund. Die Auslöser und Gründe für schulabsentes Verhalten sind sehr vielfältig. Dementsprechend ist es als multikausales Phänomen zu verstehen. (Stamm et al. (2009): Schulabsentismus. Ein Phänomen, seine Bedingungen und Folgen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.)

 

 

Absenzensystem

Im Umgang mit Schulschwänzen sind fixierte Regeln wichtig, die in einem schulhauseigenen Absenzensystem festgehalten werden. Dieses soll sich auf gesetzliche Normen stützen. Es wird festgehalten, was Absenzen sind, welche entschuldbar sind und welche nicht, aber auch wie das Vorgehen und die Konsequenzen aussehen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Es gehört dazu, wer diese überwacht und kontrolliert, wann die Eltern eingeschaltet sowie wann die Schulbehörde oder Fachpersonen beigezogen werden.Die Erarbeitung eines Absenzensystem ist ein mehrteiliger Prozess, in den die Perspektiven verschiedener Anspruchsgruppen einfliessen. Am Ende steht ein Handlungsplan zu Verfügung, der aufzeigt, was in verschiedenen Situation zu tun ist.

Schulausschluss muss nicht sein

Der Flyer «Schulausschluss muss nicht sein!» unterstützt Schülerinnen und Schüler, wenn sie aufgrund von auffälligem Verhalten und Vorfällen in eine Negativspirale mit einem möglichen Schulausschluss geraten. Sie erfahren, dass dieser nicht von heute auf morgen, sondern stufenweise erfolgt. Sie erhalten viele Chancen, das eigene Verhalten zu ändern und damit aus der unangenehmen Situation auszusteigen. Die Schülerinnen und Schüler werden ermuntert, sich an einem (angeordneten) Gespräch mit den Erwachsenen zu beteiligen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Modell einer Neukonzeption von Schule

Schuldistanziertes Verhalten von Schülerinnen und Schülern wird häufig als Problem im pädagogisch-erzieherischen Bereich der einzelnen Lehrperson angesiedelt. Dort wird es auch bearbeitet. Ergebnisse aus der Schulklimaforschung legen nahe, das Problem wie auch die Lösung gemeinsam anzugehen. Vorrausetzung dafür ist wirkungsvolle Teamarbeit. Diese lässt Kräfte entstehen, die es ermöglichen, sowohl Lehrpersonen als auch Schülerinnen und Schüler «im Feld zu halten».

Scheitern im schulischen Handlungsfeld

In unserer sich kontinuierlich verändernden Gesellschaft wird die Bewältigung schulischer Aufgaben für alle Beteiligten anspruchsvoller. Sie endet immer öfter in einem «aus dem Feld gehen». Es sind aber nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer, die sich von der Schule innerlich oder physisch entfernen.
Der vorliegende Beitrag thematisiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede für beide Personengruppen, betrachtet das Phänomen aus individueller und systemischer Sicht und beschreibt schliesslich die Ursachen für dieses Verhalten.