Schulattentat – Zielgerichtete schwere Gewalt

Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Schweiz ein Schulattentat verübt wird, ist gering. Das Risiko bleibt latent. Der Früherkennung und Frühintervention wird eine grosse Chance beigemessen, eine so schreckliche Tat zu verhindern.

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Begriffsdefinitionen

In Berichten über Schulattentate verwenden Medien fast ausschliesslich den Begriff Schulamok. Dieser Begriff ist auch im Volksmund weit verbreitet.

Amok beschreibt in der Definition eine impulsive Tötung oder Verletzung von mehreren Personen bei einem Tatereignis (nicht mehrere) und im öffentlichen Raum.

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Die Aufarbeitung der Schulattentate in Amerika oder in Ländern Europas zeigen, dass die Taten von langer Hand geplant, vorbereitet, zielgerichtet und oft angekündet verübt wurden. Diese Abläufe und Anzeichen zeigen Chancen auf, um ein Schulattentat zu verhindern. Fachpersonen verwenden daher den Begriff 'zielgerichtete schwere Gewalt'.

Eine Drohung ist eine glaubhafte Absichtserklärung, andere zu schädigen, sie einzuschüchtern oder ihre Handlungsweise zu beeinflussen.

Unter Bedrohung wird eine Situation beschrieben, die bedrohlich wirkt. Ein Beispiel ist die Drohgebärde mit dem Handzeichen 'Hals abschneiden' oder der Hinweis auf eine früher verübte Gewalttat. Auch Zeichnungen auf Papier oder Visualisierungen in sozialen Medien können dies auslösen.

In dieser Vorbereitungszeit oder nach einer Ankündigung sehen Experten eine grosse Chance, die Straftat zu verhindern.

Personen, die Erkenntnisse über die Vorbereitung einer zielgerichten Gewalt erlangen, sollen sich unverzüglich mit der zuständigen Polizei am Wohnort in Verbindung setzen.

(Quelle: Dr. H. Blöchlinger, Themenheft Schulattentat – schwere zielgerichtete Gewalt)

Krisenhandbuch und Notfallpläne

Ein Krisenkonzept fördert das sicherheitsgerechte Verhalten in einer Organisation, listet Verantwortungsträger und Zuständigkeiten für die Krisenbewältigung auf und gibt Handlungsanweisungen für das erste Vorgehen. Verfasser des Krisenhandbuches sind die Entscheidungsträger vor Ort. Damit erhalten unterstellte Personen die notwendigen Handlungsbefugnisse und können vorbereitet die Verantwortung übernehmen.

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Im Notfallhandbuch ist eine Auswahl mit spezifischen Notfällen aufgelistet. Erste Handlungsansätze helfen, die Zeit bis zum Eintreffen von Spezialisten zu überbrücken. Davon profitieren alle beteiligten Personen.

«sicher!gsund!» stellt Schulen im Kanton St.Gallen ein Grundsatzpapier und Notfallpläne kostenlos zur Verfügung. Das Word-Format lässt es zu, dass es den örtlichen Begebenheiten angepasst werden kann: Mailbestellung: «sicher!gsund!».

Gewaltspirale - früh erkennen und handeln

© Themenheft

Eine gewalttätige Reaktion baut sich bei einer Person über eine gewisse Zeit auf. Sei es, indem sie sich in diese hineinsteigert oder von aussen dazu angestachelt wird. Wer Gewalt erfolgreich anwendet, macht dies zu seiner Strategie. Alkohol und/oder Drogen machen Menschen zusätzlich unberechenbar.

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Ausgangspunkt für gewalttätiges Verhalten ist ein Missstand. Der Mensch, gleich ob erwachsen oder minderjährig, kann herabgewürdigt oder gehänselt werden, das 'schwarze Schaf der Familie' sein, sich einsam und verlassen fühlen oder dies auch so empfinden, ohne dass es so ist. Oft schieben diese Menschen die Verantwortung dafür Drittpersonen zu. Aus diesem Denken kann der Wunsch wachsen, andere für die Situation zu bestrafen. Täter beginnen sich mit der Gewalt als Option zu beschäftigen. Suizidgedanken und die Planung andere Personen davor zu schädigen, nehmen konkrete Formen an. Ermittlungen nach Attentaten zeigen, dass sich die Täterschaft vorher im Netz informiert , sich Waffen oder gefährliche Gegenstände beschafft, Todeslisten angelegt und den Zeitpunkt minutiös geplant hat. In der Vorbereitung liegt ein weiterer Schritt hin zur zielgerichteten Gewalt. Der Täter nimmt vorher Abschied, verschenkt liebgewonnene Sachen, spricht Hinweise aus oder schreibt diese ins Netz. Als Vorstoss wird die Ausführung der Straftat bezeichnet. (Quelle: Themenheft Schulattentat – schwere zielgerichtete Gewalt Kapitel 2.5).

Es gilt heute als empirisch  abgesichert, dass eine Vielzahl der Taten nicht impulsiv stattfinden, sondern oft sogar über mehrere Jahre hinweg detailliert durch die Täterschaft geplant wurde. Fachpersonen erkennen in dieser Gewaltspirale, dass bei einer Früherkennung Einfluss auf die mögliche Täterschaft genommen werden kann (Quelle Wikipedia).

Der einzig richtige Weg ist die Polizei umgehend zu informieren.

Schulhauskultur – als Basis der Gewaltprävention

In einem Klima der Offenheit kann erwartet werden, dass sich Schülerinnen und Schüler an die Erwachsenen wenden, wenn ihnen ihre Schulkameradin oder ihr Schulkamerad in besonderer Art auffällt. Eine vertrauensvolle Umgebung erleichtert es, Kindern und Jugendlichen den selbst auferlegten «Code des Schweigens» zu durchbrechen und Erwachsene zu informieren oder diese gar um Unterstützung anzugehen. Gleiches gilt für Mobbing. Schülerinnen und Schüler müssen ermutigt werden, sich Erwachsenen anzuvertrauen, wenn sie gemobbt werden oder wenn sie entsprechende Beobachtungen machen. (Quelle: Dr. H. Blöchlinger / Themenheft Schulattentat – schwere zielgerichtete Gewalt) 

DyRiAS® – Analyse Tool zur Gewalteinschätzung

Begriffserklärung

Das Dynamische-Risiko-Analyse-System (Abkürzung DyRiAS®) ist ein computergestütztes Instrument, welches Fachpersonen ermöglicht, wissenschaftlich fundierte Risikoeinschätzungen vorzunehmen und so gezielt Bedrohungen entgegenzuwirken.

 

 

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Hintergrundwissen

Hinter DyRiAS® steht die Erkenntnis, dass eine schwere, zielgerichtete Gewalttat immer den Endpunkt eines Entwicklungsweges darstellt. Dieser Weg ist begleitet von charakteristischen Merkmalen im Verhalten und in der Kommunikation des späteren Täters. DyRiAS® erfasst deshalb solche verhaltensorientierte Warnsignale und bewertet auf dieser Basis, ob ein Weg zu einer möglichen schweren Gewalttat eingeschlagen ist und wenn ja, wie viele Schritte bereits erfolgt sind. DyRiAS® ist der Philosophie des psychologischen Bedrohungsmanagements verpflichtet. Aus diesem Grund sind Prognosen von Laien heikel.

 

Ablauf

Schulpsychologen, Polizisten, Lehrpersonen und Mitarbeiter von Beratungsstellen beantworteten in DyRiAS® vorbereitete Fragen zur Gewaltbereitschaft der Zielgruppe und schätzen das Risiko ein. Die Resultate werden auf einer digitalen Plattform anonym erfasst. Nachdem die Informationen eingegeben wurden, wird automatisiert ein Risikoreport erstellt.

Quellen: Wikipedia und DyRiAS®

Die Kriseninterventionsgruppe des Schulpsychologischen Dienstes (KIG SPD) des Kantons St.Gallen setzt DyRiAS® ein.

Zitat: Kurt Faller

Nicht der Konflikt an sich ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Bedrohung: Videoclip KIG SPD Kanton St.Gallen