Sexualpädagogik

Das Themenheft bietet Informationen und Anregungen zur praktischen Umsetzung stufengerechter Sexualpädagogik in der Schule. Weiter werden Vorschläge zum Umgang mit schwangeren Schülerinnen oder zur Zusammenarbeit mit Eltern dargelegt.

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Sexuelles Verhalten von Schülerinnen und Schülern

Welche Schule hat das nicht schon erlebt: Ein Vorfall im Bereich Sexualität wächst innert kurzer Zeit zu einer grösseren Krise heran. Die beteiligten Kinder oder Jugendlichen schildern die Vorfälle widersprüchlich. Die Schule hat Schwierigkeiten, die Grössenordnung der Ereignisse nach fachlichen Kriterien einzuordnen. Eltern schalten sich ein und vertreten die Sicht ihres Kindes vehement, empfinden die Massnahmen der Schule als unter- oder übertrieben. Auch wenn Schulen solche Herausforderungen mit viel Engagement und Umsicht bearbeiten, geraten sie nicht selten in die Kritik. Immer wieder wird die Kriseninterventionsgruppe zur Unterstützung beigezogen.
Die Kriseninterventionsgruppe hat ihre Erfahrungen der letzten Jahre in einer 4-seitigen Wegleitung zusammengefasst. Für Fragen und Unterstützung steht Ihnen die KIG unter 0848 0848 48 jederzeit zur Verfügung.

Wegleitung «Sexuelles Verhalten von Schülerinnen und Schülern»

Was versteht man unter Sexualpädagogik?

Unter dem Begriff «Sexualpädagogik» wird heutzutage weit mehr als die biologische Aufklärung verstanden. Sexualpädagogisch arbeiten gehört zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung und heisst, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Entwicklung ihrer sexuellen Identität altersgerecht, einfühlsam und kompetent zu begleiten und zu unterstützen. Zielsetzung ist dabei, dass sie ihre Sexualität verantwortungsvoll, gesund, selbstbestimmt, lustvoll und sinnlich entfalten und leben können (Fachstelle für Aids- und Sexualfragen St.Gallen).

Sexualpädagogik: Teil von Prävention in der Volksschule

Das Kreisschreiben «Prävention in der Volksschule» definiert Prävention als kollektiven Auftrag von Lehrpersonen, Schulhausteam und Schulleitung. Es stellt die Grundsätze für die Präventionsarbeit im Schulkontext als Querschnittsaufgabe vor, beschreibt Unterstützungsmöglichkeiten und enthält spezifische Informationen zu ausgewählten Präventionsthemen, so auch zu Sexualpädagogik.
Das Kreisschreiben tritt per 1. März 2019 in Vollzug und ersetzt die bisherigen Kreisschreiben zu Suchtprävention in der Volksschule, zur Sexualpädagogik und zur Gewaltprävention.
Kreisschreiben «Prävention in der Volksschule»

Sexualpädagogik aufgegriffen im Lehrplan Volksschule SG

Lehrplan 21: Kompetenzbereich NMG.1: Identität, Körper, Gesundheit – sich kennen und sich Sorge tragen

Sexualpädagogik wird als integrierender Teil der Gesamterziehung von Kindern und Jugendlichen betrachtet. Die Hauptverantwortung für die Sexualerziehung liegt bei den Eltern bzw. den Erziehungsberechtigten der Kinder und Jugendlichen. Die Schule soll die Eltern bei dieser Aufgabe im Rahmen des Sexualkundeunterrichts alters- und stufengerecht unterstützen. Sexualkundliche Inhalte sind seit vielen Jahren Gegenstand des kantonalen Volksschullehrplanes. Mit Einführung des Lehrplans Volksschule St.Gallen werden Themen wie «Geschlechtsorgane, Zeugung, Befruchtung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt» im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) beispielsweise während des 2. Zyklus im Unterricht bearbeitet (Leporellos "Auf einen Blick", Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft). Die Lehrpersonen behandeln die sensiblen Inhalte mit der nötigen Sorgfalt. 

Diverse Angebote zur Prävention vor sexueller Gewalt

Medienkoffer zu Prävention vor sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Lehrpersonen sind wichtige Schlüsselpersonen für die Früherkennung von sexueller Gewalt bei Kindern und Jugendlichen. Mit dem Medienkoffer erhalten Lehrpersonen Grundlagen dazu, wie sie bei einem Verdacht vorgehen können. Die im Medienkoffer enthaltenen Unterrichtsmaterialien bieten konkrete Vorschläge, wie Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler stärken und informieren können.
Den Medienkoffer «Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen» gibt es in zwei Varianten: Für Kindergarten bis 3. Klasse und für die 4. bis 9. Klasse. Die Koffer wurden überarbeitet und aktualisiert und können kostenlos über das Kinderschutzzentrum 071 243 78 02, info.wp[at]kszsg.ch ausgeliehen werden. Informationen finden Sie in diesem Dokument.

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Wanderausstellung: «Mein Körper gehört mir!»

Kinder der 2. bis 4. Primarschulklassen lernen in dieser Ausstellung in spielerischer Form, wie sie sich vor Gewalt schützen und wo sie Hilfe holen können. Informieren Sie sich anhand des Flyers, wie Sie das Ausstellungsprojekt in Ihrer Schule oder Region realisieren können. Für Auskünfte können Sie sich per Mail bei uns melden: info.wp[at]kszsg.ch. Den Flyer finden Sie hier.

Wanderausstellung: «Ich säg was lauft!»

Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen und sexuelle Gewalt unter Jugendlichen sind gemäss Befragungen weit verbreitet. Zu diesem Thema entwickelte das Regional didaktische Zentrum Rapperswil-Jona, das Kinderschutzzentrum und das Amt für Soziales die interaktive Wanderausstellung "ich säg was lauft!". Sie unterstützt Jugendliche, sich sowohl in Beziehungen als auch bei Trennungen achtsam zu verhalten.
Die Wanderausstellung "Ich säg was lauft!" zur Prävention von sexueller Gewalt erlaubt es, die Themen Freundschaften, Liebe und Sexualität unter Jugendlichen ungehemmter anzugehen. Die Jugendlichen werden durch Fachpersonen begleitet, so dass es für die Schülerinnen und Schüler einfacher ist, sich offen über sensible Themen rund um Freundschaft, Liebe, Sex und Gewalt zu unterhalten. Zur Wanderausstellung gehören, neben dem Besuch der Jugendlichen in der Ausstellung eine Weiterbildung für die Lehrpersonen und ein Elternabend. Die Wanderausstellung kann von Schulen oder Jugendgruppen beim Kinderschutzzentrum St.Gallen für den eigenen Schulträger gebucht werden. Den Flyer finden Sie hier. Für weitere Auskünfte steht das Kinderschutzzentrum St.Gallen zur Verfügung: info.wp[at]kszsg.ch

Suchen Sie eine externe Lehrperson für den Sexualunterricht in Ihrer Klasse?

Folgende Beratungsstellen vermitteln Fachpersonen (Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen) für den Sexualunterricht in den Schulen:

Islam, Gender und Sexualität – Perspektive und Blickwechsel

Das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) hat ein Heft mit dem Titel "Islam, Gender und Sexualität - Perspektiven und Blickwechsel" veröffentlicht. Darin wird ein Überblick über Geschlechterrollen, Sexualität und Sexualerziehung gegeben (Schneuwly Purdie et al., 2018). Im Zentrum dieser drei Themen steht der Körper, welcher ein privilegiertes Medium ist, mit welchem Einzelpersonen und Gruppen ihre persönlichen bzw. kollektiven Identitäten zum Ausdruck bringen. Das Heft liefert einen lesenswerten Beitrag zur geschlechtsspezifischen Sozialisierung, zu den Gefahren, welche die Informationssuche zu Sexualität im Internet birgt, zur Bedeutung der Sexualität im Islam und zu den unterschiedlichen Perspektiven auf die Sexualerziehung und sexuelle Gesundheit mit Berücksichtigung der nationalen Lehrpläne. Das Heft schliesst mit vier Empfehlungen zum Umgang mit den obengenannten Themen (Schneuwly Purdie et al., 2018).

Das Heft ist hier zu finden.

Quelle: Schneuwly Purdie, Mallory; Schmid, Hansjörg & Lang, Andrea (2018): Islam, Gender und Sexualität. Perspektiven und Blickwechsel. Freiburg: Schweizerisches Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG).