Kindesschutz und Schule

Kinder haben das Recht vor jeder Form von Gewalt geschützt zu werden. Die Schule übernimmt eine wichtige Rolle in Prävention und Früherkennung. Sinnvolles Handeln bedingt Sensibilität, eingespielte Abläufe und fachliche Unterstützung.

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Neue Meldevorschriften an die KESB seit 2019

Am 1. Januar 2019 sind Neuerungen beim Melderecht und der Meldepflicht an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) zur Verbesserung der Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen in Kraft getreten.

  • Die Meldepflicht wird auf alle Fachpersonen, die regelmässig beruflichen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben, ausgeweitet. Hintergrund dieser Gesetzesänderung ist insbesondere, die Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen im Vorschulalter zu verbessern, wo Kinder seltener mit Fachpersonen in amtlicher Tätigkeit in Berührung kommen.
  • Berufsgeheimnisträgerinnen und -träger verfügen neu über ein Melderecht - ohne sich von der Schweigepflicht entbinden lassen zu müssen. Dies betrifft unter anderem Fachpartnerinnen und Fachpartner der Schule, beispielsweise Kindern und Jugendlichen in ärztlicher und therapeutischer Abklärung oder Behandlung.

Mit dieser Gesetzesänderung wird zugunsten des Kindeswohls die Schwelle des Berufsgeheimnisses für eine Meldung an die KESB herabgesetzt. Das kantonale Merkblatt «Meldevorschriften an die Kindesschutzbehörden» gibt einen Überblick darüber, wer meldepflichtig und wer meldeberechtigt ist. Dese Neuerungen sind im Themenheft «Kindesschutz und Schule» (Seite 28 und 29) nicht enthalten.

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Die Meldepflicht erfüllt auch, wer die Meldung an die vorgesetzte Person richtet. So steht es neu in Art. 314d Absatz 2 im Zivilgesetzbuch.
Bezüglich der Schulsozialarbeit, bedarf es hier einer Erläuterung:
Die meisten Schulsozialarbeitenden (SSA) haben in ihren Abläufen zum Vorgehen bei Kindeswohlgefährdung definiert, dass die Schulleitung die Meldung an die KESB übernimmt. So ist es auch gemäss den zwischen Schule und KESB vereinbarten Minimalstandards zur Zusammenarbeit vorgesehen.
In vielen Fällen ist die Schulleitung allerdings nicht die vorgesetzte Person. Nach Rücksprache mit der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (KOKES) sowie dem Ausschuss des Netzwerks Schulsoziallarbeit (NESSA) ist festzuhalten, dass die SSA auch weiterhin ihre Meldepflicht grundsätzlich als erfüllt sehen können, wenn sie an die Schulleitung melden. Ist die Schulleitung jedoch nicht die vorgesetzte Person und besteht unter SSA und Schulleitung Uneinigkeit bezüglich Meldung an die KESB, sollte die vorgesetzte Person in den Prozess einbezogen werden.
Materialien und Merkblätter

Vorgehen in der Schule bei Kindeswohlgefährdungen

Sind Kinder von Gewalt betroffen, so nehmen dies Lehrpersonen, Schulleitungen oder Schulsozialarbeitende in der Schule oft wahr oder erhalten Hinweise darauf.

Doch wie soll ich darauf reagieren? Suche ich das Gespräch? Wen kann ich noch einbeziehen und wo endet meine Verantwortung? Die Darstellung zu den Handlungsschritten der Schule bei vermuteter Kindeswohlgefährdung kann Fachpersonen der Schule beim strukturierten Vorgehen unterstützen.

Ergänzend bietet das Amt für Soziales regelmässig Weiterbildungen zum kantonalen «Leitfaden für das Vorgehen bei Kindeswohlgefährdungen» an.

Brauchen Sie fachliche Beratung von aussen?

Machen Sie sich grosse Sorgen um ein Kind und wissen nicht, wie Sie die Gefährdung abwenden können? Ist Ihnen unklar, wie Sie eine Intervention aufgleisen oder welche nächsten Schritte Sie in die Wege leiten sollen? Holen Sie sich Unterstützung bei der Beratungsstelle In Via oder bei der interdisziplinären Fallberatung Kindesschutz.

Respekt ist Pflicht

Kinder und Jugendliche haben das Recht, respektvoll behandelt und vor Gewalt geschützt zu werden. Das heisst, sie dürfen und sollen Grenzen setzen und Nein sagen, wenn jemand diese nicht respektiert oder überschreitet.

Nachfolgende Tipps geben Jungen und Mädchen Unterstützung in kniffligen Situationen.
Respekt ist Pflicht

Diese Tipps für Jungen und Mädchen sind beim Kinderschutzzentrum St.Gallen in 15 verschiedenen Sprachen erhältlich.

 

Zusammenarbeit zwischen KESB und Schule

Beim Abwenden von Gefährdungen des Kindeswohls kann die Schule meist zuerst eigene Ressourcen wie z.B. die Schulsozialarbeit nutzen. Hat die Schule ihre internen Handlungsmöglichkeiten schliesslich ohne Erfolg ausgeschöpft, zieht sie eventuell das Mittel einer Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in Betracht. Zur Zusammenarbeit zwischen Schule und KESB gibt es formulierte Minimalstandards. Da werden die anonyme Ersteinschätzung, die Grenzen des Informationsaustauschs oder die Mitwirkungspflicht der Schule im Verfahren angesprochen.

Minimalstandards zur Zusammenarbeit zwischen KESB und Schule