Tod und Trauer in der Schule

«Tod und Trauer» bietet Hintergrundwissen zu Tod und Trauer und gibt Anregungen und Hinweise, wie ein Trauerprozess mit Gruppen von Heranwachsenden begleitet und unterstützt werden kann.

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Umgang mit Medien

Wenn ein Todesfall in der Schule auf ein Delikt oder einen Unfall zurückgeht, zeigen Medien meist ein grosses Interesse an Informationen. In solchen Situationen ist es in der Regel ausschliesslich Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, Medien-Bulletins zu erstellen resp. Auskünfte zu erteilen. Kinder und Jugendliche sind unbedingt vor Medienvertretern zu schützen, wenn diese vor Ort erscheinen. In besonderen Fällen kann mit den Justizbehörden abgesprochen werden, wer von Seiten der Schulführung ein Statement abgeben darf.

Umgang mit trauernden Kindern und Jugendlichen

Trauer ist eine gesunde und lebensnotwendige Reaktion auf Verlust- und Trennungsereignisse. Der Weg durch die Trauer kann schwer und lang sein. Der Trauerprozess umfasst mehrere Phasen. So braucht es Zeit, bis eine betroffene Person sich vom Schock und «Nichtwahrhabenwollen» lösen und die veränderte Realität greifen kann. Kinder und Jugendliche brauchen die einfühlsame Begleitung von erwachsenen Bezugspersonen, die auf ihre Fragen offen und ehrlich antworten, damit sie die Veränderungen, die der Tod mit sich bringt, verstehen. Nicht allein das Gespräch auch andere Ausdrucksformen helfen den Kindern und Jugendlichen, den Verlust zu verarbeiten. Kinder haben oft einen viel natürlicheren, unverkrampfteren Umgang mit dem Tod. Wenn sie sich entscheiden, an einer Trauerfeier bzw. Beerdigung teilzunehmen, ist ihnen dazu Gelegenheit zu geben.

Tod und Trauer in den Weltreligionen

Immer schon gehörte zum Menschen die Sehnsucht nach Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit. So hat der Mensch zu allen Zeiten Wege gesucht, die ihn diesem Ziel näher bringen sollten. Einer dieser Wege ist die Religion. Es gibt unterschiedliche Vorstellungen darüber, was das Weiterleben nach dem Tod anbelangt und was einmal nach dem irdischen Leben kommen soll. Bei den fünf Weltreligionen kann dabei zwischen Religionen östlichen und westlichen Ursprungs unterschieden werden. Die ersten werden als «Religionen des ewigen Weltgesetzes» bezeichnet, weil nach ihren Vorstellungen, die Welt ewig ist, und sie von unveränderlichen Seinsgesetzen ausgehen. Dazu zählen der Buddhismus und der Hinduismus. Demgegenüber lehren die westlichen Religionen den Glauben an die Vergänglichkeit der Welt und an einen persönlichen Gott, der unendlich überlegen die Welt regiert. Den drei westlichen Religionen Judentum, Christentum und Islam ist gemeinsam, dass die Seele ewig lebt und der Verstorbene einmal auferweckt und nach seinen Taten gerichtet wird. Alle Religionen haben unterschiedliche Vorstellungen von Tod, Unterwelt und Auferstehung sowie Bestattung und Trauerriten, aber auch Friedhof und Grabstätte.

Bestattungsrituale in den Weltreligionen

Verstorbene zu bestatten ist ein zentraler Bestandteil menschlicher Kulturformen. Rituale der Bestattung helfen den Angehörigen und der Gemeinschaft der Trauernden, mit dem Verlust und der Trauer umzugehen und den Tod als Teil des Lebens zu verstehen. Die Rituale, die dabei praktiziert werden, sind sehr vielfältig. Kulturgeschichtlich ist der Umgang mit dem Tod und den Toten religiös geprägt.

Phasen im Trauerprozess

Fachpersonen beschreiben in ähnlicher Art und Weise die verschiedenen Phasen der Trauer.

Bei Kindern ist es schwierig, die unterschiedlichen Stationen der Trauer zu erkennen oder voneinander zu trennen. Wichtig ist, dass sie erfahren, dass das Durcheinander an Gefühlen eine ganz normale Erscheinung auf ein belastendes Erlebnis ist.

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Phase 1: Zeit des Leugnens
Die erste Zeit nach dem Bekanntwerden eines Todes wird als eine Art Schockzustand erlebt. Man kann nicht wirklich glauben war geschehen ist. Menschen fallen dann in eine Art Starre und zeigen keine oder kaum Gefühle und wirken dadurch unbeteiligt oder gleichgültig.

Phase 2: Zeit der Gefühlsausbrüche
Menschen sind in dieser Phase den widersprüchlichsten Gefühlen ausgeliefert. Neben Wut und Verzweiflung kommen oft Schuldgefühle hoch. Bleiben sie unbewältigt, können sie sich als Wut in Form von Schuldzuweisungen gegen aussen richten.

Phase 3: Zeit des Abschiednehmens
Der Besuch in der Aufbahrungshalle kann Kindern helfen, die Endgültigkeit des Todes zu akzeptieren. Diese Zeit ist geprägt durch Gefühlsschwankungen, die sich oft in scheinbar ziellosen Aktivitäten manifestieren.

Phase 4: Zeit der Erschöpfung
Die Ruhelosigkeit erschöpft und ermüdet die trauernde Person sehr. Sie zieht sich zurück, um neue Energie zu tanken. So ist es ihr möglich, die neuen Anforderungen, die der Verlust eines geliebten Menschen einem stellen, zu bewältigen.

Phase 5: Zeit des Neubeginns
Es geht darum, die Endgültigkeit und das definitive Getrenntsein von der verstorbenen Person anzuerkennen. Gleichzeitig bleibt die Erinnerung an die Person. Diese kann einem niemand wegnehmen.

Wenn Kinder trauern

Für Kinder ist es nicht leicht, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Erwachsene können sie im Trauerprozess unterstützen, indem sie sich den Kindern in liebevollem Rahmen zuwenden und in offener, ehrlicher Haltung auf die Kinder zugehen sowie auf deren Bedürfnisse eingehen.

Das Merkblatt «Wenn Kinder trauern» der Kriseninterventionsgruppe (KIG) informiert über die kindliche Entwicklung der Vorstellungen über den Tod und enthält Hinweise, wie Kinder im Trauerpozess begleitet werden können.

Die Kriseninterventionsgruppe (KIG) beantwortet Anfragen von Eltern und Lehrpersonen zum Thema Trauer, die im Rahmen der schulpsychologischen Beratung oder per E-Mail bestellt werden. Die Anfragen werden streng vertraulich behandelt.